Marokko: Die Reise nach 2026
Morocco returns to the WM stage having shattered African football history with a stunning semifinal run in 2022. The Atlas Lions now carry the continent'
Veröffentlicht: June 5, 2026

Marokkanische Nationalmannschaft: Die Löwen des Atlas
Die marokkanische Fußballnationalmannschaft, stolz "Die Löwen des Atlas" genannt, hat sich als das Flaggschiff des afrikanischen und arabischen Fußballs etabliert. Der historische Halbfinaleinzug bei der FIFA-Weltmeisterschaft 2022 in Katar — als erste afrikanische und erste arabische Nation überhaupt — katapultierte Marokko in eine neue Dimension des globalen Fußballs. Die Qualifikation für 2026 festigt den Status Marokkos als ernsthafte Kraft, die bereit ist, erneut Geschichte zu schreiben.
HISTORISCHE GRUNDLAGEN
Die Wurzeln des marokkanischen Fußballs reichen bis in die französische und spanische Protektoratszeit zurück. Der königliche marokkanische Fußballverband wurde 1955 gegründet, nur ein Jahr vor der Unabhängigkeit. Marokko war 1970 die erste afrikanische Nation, die sich für eine Weltmeisterschaft nach dem Zweiten Weltkrieg qualifizierte — in Mexiko erzielte Marokko ein respektables 1:1 gegen Bulgarien.
Der wahre Moment des Ruhmes vor 2022 kam bei der WM 1986, erneut in Mexiko. Marokko wurde Gruppensieger vor England, Polen und Portugal — als erste afrikanische Mannschaft, die jemals eine WM-Gruppe gewann. Im Achtelfinale unterlag Marokko der Bundesrepublik Deutschland nur knapp mit 0:1 durch ein Tor von Lothar Matthäus in der 87. Minute.
Die folgenden Jahrzehnte waren von Frustration geprägt. Trotz einer starken einheimischen Liga mit Traditionsvereinen wie Wydad Casablanca und Raja Casablanca, deren hitziges Derby zu den intensivsten Afrikas gehört, gelang die WM-Qualifikation nur sporadisch.
DAS MÄRCHEN VON KATAR 2022
Die WM 2022 wird für immer als das Turnier in Erinnerung bleiben, in dem Marokko die Welt verzauberte. Unter Trainer Walid Regragui, der das Amt nur wenige Monate vor dem Turnier übernommen hatte, formte sich eine Einheit von außergewöhnlicher defensiver Disziplin und tödlicher Kontereffizienz. Das 0:0 gegen Kroatien, der sensationelle 2:0-Sieg gegen Belgien und das 2:1 gegen Kanada brachten den Gruppensieg.
Dann begann die K.o.-Phase wie ein Märchen: Elfmeterschießen-Sieg gegen Spanien im Achtelfinale, mit Yassine Bounous heldenhaften Paraden. Ein 1:0 gegen Portugal im Viertelfinale, erzielt durch Youssef En-Nesyris majestätischen Kopfball. Das Halbfinale gegen Frankreich endete mit 0:2, aber Marokko hatte bereits Geschichte geschrieben.
SCHLÜSSELSPIELER UND SYSTEM
Achraf Hakimi, der dynamische Rechtsverteidiger von Paris Saint-Germain, ist der Superstar des Teams. Seine Geschwindigkeit, technische Brillanz und sein tödlicher Schuss — besonders bei Freistössen — machen ihn zu einer der gefährlichsten Offensivwaffen von der Defensivposition. Yassine Bounou, liebevoll "Bono" genannt, etablierte sich in Katar als einer der besten Torhüter der Welt und wechselte anschliessend zu Al-Hilal in Saudi-Arabien.
Sofyan Amrabat, der unermüdliche Mittelfeldmotor, war die Entdeckung des Turniers 2022. Seine Fähigkeit, Räume zu schliessen, Zweikämpfe zu gewinnen und das Spiel zu kontrollieren, war das Fundament des marokkanischen Erfolgs. Hakim Ziyech, der kreative Mittelfeldspieler von Galatasaray, liefert die Magie — seine Pässe, Dribblings und Standardsituationen öffnen Abwehrreihen.
Youssef En-Nesyri, der Stürmer von Fenerbahçe, ist der Torjäger. Seine Athletik und Kopfballstärke, demonstriert durch seinen legendären Treffer gegen Portugal, machen ihn zur ständigen Bedrohung im Strafraum.
FUSSBALL UND KULTUR
In Marokko ist Fussball eine Frage der nationalen Identität und des Stolzes. Die Farben Rot und Grün — die Farben der Nationalflagge und der Trikots — sind allgegenwärtig. Die Unterstützung für die Nationalmannschaft vereint das Land und die grosse marokkanische Diaspora, besonders in Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Spanien.
Die Fankultur ist leidenschaftlich und global. Bei der WM 2022 verwandelten marokkanische Fans die Stadien Katars in Heimatbühnen. Die Gesänge, Trommeln und farbenfrohen Darbietungen schufen eine Atmosphäre, die selbst neutrale Beobachter begeisterte.
DER WEG NACH VORN
Marokko betritt die WM 2026 mit berechtigten Ambitionen. Als Co-Gastgeber der WM 2030 zusammen mit Spanien und Portugal hat das Land massive Investitionen in Fußball-Infrastruktur getätigt. Der aktuelle Kader, eine Mischung aus erfahrenen Helden von 2022 und aufregenden neuen Talenten, ist bereit, den Erfolg zu wiederholen.
Das Ziel ist klar: mindestens die K.o.-Phase erreichen und beweisen, dass 2022 kein einmaliges Märchen war, sondern der Beginn einer neuen Ära für den marokkanischen und afrikanischen Fußball. Die Löwen des Atlas sind hungrig — und die Welt hat gelernt, sie zu fürchten.

