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Kolumbien vs DR Kongo: Rhythmus, Farbe und Überleben

There is a particular intensity to matches between nations whose footballing identity has been shaped by diaspora. Colombia and DR Congo share this condition —

Veröffentlicht: June 6, 2026

Kolumbien vs DR Kongo: Rhythmus, Farbe und Überleben
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Kolumbien vs. DR Kongo: Rhythmus, Farbe und Überleben – Taktik-Vorschau Gruppe K

In den Abendstunden von Guadalajara wird das Estadio Akron – das Stadion, das die Einheimischen „Der Vulkan" nennen – Schauplatz einer Begegnung, die von allen Seiten vor Farbe nur so strotzt. Auf der einen Seite Kolumbien: Gelb, Blau, Rot – mehr als ein Trikot, es ist eine nationale Verfassung. In der CONMEBOL-Qualifikation verwandelten ihre Anhänger jedes Auswärtsspiel in einen reisenden Karneval – Trommeln, Gesänge, dieser rhythmische Sog, der neutrale Beobachter unwillkürlich mitklatschen lässt. Auf der anderen Seite die DR Kongo: die Leoparden, Rot und Weiß – eine Nation, die sich auf dem Fußballplatz neu definiert.

Sebastien Desabre – der französische Trainer – hat ein Gesicht, das irgendwo zwischen einem halben Lächeln und einem wissenden Innehalten liegt. Nicht, weil es ihm an Ernsthaftigkeit mangelt, sondern weil er schon genug gesehen hat. Sein Lebenslauf im afrikanischen Fußball liest sich wie ein Reisebericht: Espérance in Tunesien, Wydad in Marokko, Chamois Niortais in Frankreich, dann Kongo. Er ist der Typ Trainer, der Anweisungen auf dem Trainingsplatz in kurzen französischen Sätzen gibt, jedes Wort präzise genug, um keiner Übersetzung zu bedürfen. „Disziplin" ist das Wort, das er am häufigsten verwendet. Nicht militärische Disziplin – Positionsdisziplin: zu wissen, wann man stillstehen muss, ist wichtiger als zu wissen, wann man rennen muss.

Kolumbiens Néstor Lorenzo – gebürtiger Argentinier, der aber inzwischen etwas in seiner Art trägt, das man halb-kolumbianisch nennen könnte – arbeitet auf einer anderen emotionalen Frequenz. Achtundzwanzig Spiele ungeschlagen. Die Zahl wird auf jeder Pressekonferenz vor dem Spiel wiederholt, jedes Mal mit einem Ton, der sagt: Wir sind nicht abergläubisch, aber wir sind auch nicht dumm. Seine Körpersprache an der Seitenlinie gleicht der eines Mannes, der darauf wartet, dass der Kaffee durchläuft – ruhig, geduldig, aber man weiß, dass seine Finger unter dem Tisch trommeln.

Die taktische Karte dieses Spiels dreht sich um ein zentrales Duell: Luis Díaz gegen Aaron Wan-Bissaka. Dies ist kein gewöhnliches Flügelstürmer-gegen-Außenverteidiger-Aufeinandertreffen. Díaz – der sechsundzwanzigjährige Angreifer des FC Bayern München – ist einer der unberechenbarsten Dribbler des Weltfußballs. Seine Laufwege sind nicht gerade, nicht geschwungen, sondern gebrochen – ein Schritt nach Westen, zwei Schritte nach Norden, dann ein plötzlicher Sprint nach Osten, während das Gleichgewicht des Verteidigers bereits am Boden liegt. Wan-Bissaka – Kongos rechter Verteidiger – ist einer der ganz wenigen Abwehrspieler, die diese Art von Wettkampf wirklich genießen können. Seine Tacklings sind keine verzweifelten Grätschen; sie sind kalkulierte Interventionen – tiefer Schwerpunkt, lange Beine, das psychologische Gewicht, das Flügelstürmer in der zweiten Halbzeit beginnt, seine Seite zu meiden.

Doch das Spiel wird sich nicht allein auf dieser Seite entscheiden. Kolumbiens Doppelsechs im Mittelfeld – Jefferson Lerma und Richard Ríos – ist der Motor von Lorenzos System. Lermas Rolle bei Crystal Palace ist die des reinen Zerstörers: gegnerische Angriffe im Keim ersticken, noch während sie nur eine Idee sind. Ríos ist das Transportmittel – seine Saison bei Benfica hat bestätigt, dass er den Ball zwischen Defensiv- und Offensivphase transportieren kann, während er dennoch bedrohlich genug bleibt, dass Verteidiger ihn nicht frei gewähren lassen können.

Kongos Antwort wird aus dem Mittelfeld kommen. Noah Sadiki – der einundzwanzigjährige Mittelfeldspieler von Sunderland – ist Kongos wichtigster Spieler ohne Ball. Seine Aufgabe ist nicht zu kreieren, sondern zu zerstören: Ríos' Läufe verfolgen, James' Ballannahmen in der Halbraumzone stören, körperlichen Druck ausüben, wenn Lerma Konter einleiten will. Neben ihm bietet Edo Kayembe – Mittelfeldspieler von Watford – einen direkteren Stil: lange Diagonalbälle, Spielverlagerungen, der erste Pass, wenn Kongo den Ball zurückerobert.

Kongos Angriff – seien wir ehrlich – wird nicht viel vom Ball sehen. Desabre akzeptiert das. Sein Qualifikationshandbuch enthält eine Seite darüber, wie man mit achtunddreißig Prozent Ballbesitz gewinnt. Der Schlüssel ist Yoane Wissas Geschwindigkeit bei Newcastle – er kann in drei Sekunden von der Mittellinie bis an den Strafraum des Gegners sprinten, während Innenverteidiger dafür typischerweise vier brauchen. Cédric Bakambu – der erfahrene Stürmer, jetzt bei Real Betis – ist nicht mehr der junge Mann, der für Dortmund Champions-League-Tore erzielte, aber seine Positionierung im Strafraum und seine physische Präsenz können in entscheidenden Momenten immer noch für Chaos sorgen.

In der kolumbianischen Luft liegt ein Hunger. Das Trauma der verpassten WM 2022 hält an, aber es hat sich von einer Wunde in Treibstoff verwandelt. Lorenzo sagte in einem Interview vor dem Turnier: „Wir holen nicht die Vergangenheit auf. Wir bauen die Zukunft." Von jemand anderem klänge es wie eine Floskel. Von ihm, in jenem argentinisch gefärbten Spanisch vorgetragen, klingt es nach einem Plan.

Prognose: Kolumbien 2-0. Aber das Spiel wird enger sein, als es das Ergebnis vermuten lässt – zumindest für sechzig Minuten. Kongos Defensivstruktur wird Kolumbiens Flügelspiel frustrieren, bis Díaz Wan-Bissaka irgendwann um die siebzigste Minute herum ein erstes Mal bezwingt. Das zweite Tor fällt in der Nachspielzeit – wenn Kongo auf der Suche nach dem Ausgleich endlich ein kleines Loch geöffnet hat. Ein klassischer Lorenzo-Sieg: geduldig, pragmatisch und irgendwie am Ende unvermeidlich wirkend.

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