Hundertdreiundsiebzigtausend sahen ein Land sterben
July 16, 1950. The Maracana Stadium, Rio de Janeiro. Brazil versus Uruguay — effectively the WM final in the tournament's eccentric final-round format th
Veröffentlicht: June 6, 2026

# Einhundertdreiundsiebzigtausend Menschen sahen einem Land beim Sterben zu
16. Juli 1950. Rio de Janeiro. Das Maracanã. Das WM-Finale – obwohl es technisch gesehen keines war. Brasilien brauchte ein Unentschieden gegen Uruguay, um zu gewinnen. Uruguay musste gewinnen.
Offizielle Zuschauerzahl: 173.850. Inoffizielle Schätzungen: über 200.000. Das größte Live-Publikum in der Geschichte eines Fußballspiels.
Brasilien traf zuerst. Das Maracanã explodierte – 200.000 Menschen, der Lärm wahrscheinlich bis São Paulo zu hören. Uruguay glich aus. Stille, aber keine Sorge – ein Unentschieden reichte. Dann, elf Minuten vor Schluss, traf Alcides Ghiggia für Uruguay. 2:1. Das Maracanã verstummte. Ein brasilianischer Journalist schrieb: „Die Stille von 200.000 Menschen ist das lauteste Geräusch, das ich je gehört habe.“
Der „Maracanazo“ wurde zu einem nationalen Trauma. Brasilien änderte sein Trikot von Weiß zu Gelb und Grün. Fans begingen im Stadion Selbstmord. Die vorab gedruckten Zeitungen mit der Schlagzeile „Brasilien Weltmeister“ wurden eingestampft.
Uruguays Kapitän Obdulio Varela verbrachte diese Nacht damit, mit am Boden zerstörten Brasilianern in Rios Bars zu trinken und ihnen Bier auszugeben. „Sie taten mir leid. Ein ganzes Land, das weint. Wegen eines Fußballspiels.“

